„EIN WALKING-DEAD-SZENARIO IST QUATSCH“

Bastian Blum, Gründer der Prepper-Gemeinschaft Deutschland, möchte Interessierten eine fundierte Krisenversorge ermöglichen. Im Interview spricht er über seinen Weg zum Preppen, den Sinn seines Engagements und die Unterschiede zwischen verschiedenen Preppern.

Text: Julian Stutz

Illustration: Lena Schindler

Organisation: Prepper Gemeinschaft Deutschland


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Dieser Artikel erschien in der EVAU Nr2.

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WIE SIND SIE ZUM PREPPER GEWORDEN?

Der erste Auslöser war die Weltwirtschaftskrise Ende 2007, Anfang 2008. Da habe ich mir zum ersten Mal Gedanken gemacht, was alles schieflaufen könnte. So eine Wirtschaftskrise kann ja auch sehr direkte Folgen für das alltägliche Leben haben: Preise für gewisse Lebensmittel steigen, Firmen machen dicht. Da wollte ich besser vorbereitet sein. Zudem arbeite ich seit vielen Jahren in verschiedenen Katastrophenschutzorganisationen, etwa als Rettungssanitäter, beim THW und der Feuerwehr. Da bekommt man mit, was die leisten können und was eben eher nicht. Deshalb habe ich angefangen selbst ein bisschen Vorsorge zu betreiben: Ein paar Decken hier, ein paar Lebensmittel da. So fängt es bei jedem Prepper an und das wächst dann immer weiter.

LANGEWEILE KAM BEI IHREM ENGAGEMENT WOHL KAUM AUF. WIESO HABEN SIE TROTZDEM NOCH DIE PREPPER-GEMEINSCHAFT DEUTSCHLAND GEGRÜNDET?

Im Jahr 2013 eröffnete ich eine Facebook-Seite, weil ich einfach mal sehen wollte, wer sich dafür interessiert und dann auch Erfahrungen austauschen wollte. In den ersten zwei Monaten waren das 70 Leute. Es folgte die Website und eine einfache Vision: Hier sollen alle Menschen beim Thema Preppen gleichgestellt sein und sich fachlich austauschen können. Ohne politische Richtung, Verschwörungstheorien und so einen Scheiß.

WAS TUN SIE KONKRET MIT DER PGD?

Unser Ziel ist in erster Linie, Anleitung zu geben und einen Austausch zu ermöglichen. Wir sind inzwischen 18 Leute, die verschiedene Aufgaben übernehmen. Für unsere Arbeit nutzen wir Medien wie YouTube und Facebook, Twitter, Instagram aber auch eigene Foren oder Teamspeak, wo wir alle zwei Wochen Talkrunden zu verschiedenen Themen anbieten. Zudem haben wir eine eigene Warnapp, die über dreitausend Mal installiert wurde. Inhaltlich geben wir Interessierten praktische Tipps zu Themen wie Nahrungsversorgung, Wärme- und Energieerzeugung, Verhalten im Katastrophenfall und so weiter. Dabei sind wir sehr realistisch und empfehlen immer, dass sich jeder seine eigene Umgebung anschaut und sich dann auf die drei wahrscheinlichsten Ernstfälle in seinem Umfeld vorbereite. Das kann über Deutschland verteilt sehr unterschiedlich sein.

Prepper kommen aus jeder Gesellschaft. Da gibt es auch einige Spinner. Die wollen wir bei uns nicht haben.

WARUM HABEN SIE ALS ORGANISATIONSFORM EINE GEMEINSCHAFT GEWÄHLT UND KEINEN E.V.?

Wir sind eine Interessengemeinschaft und kein eingetragener Verein. Das war eine bewusste Entscheidung, die wir auch detailliert mit einem Fachanwalt besprochen haben. Wären wir ein gemeinnütziger Verein, dann müssten wir erstmal jeden aufnehmen. Zudem wir es dann auch schwierig, Leute wieder loszuwerden. Da es in unserem Bereich Interessierte aus jeder Schicht und Ecke der Gesellschaft gibt, sind da auch einige Spinner. Die wollen wir bei uns nicht haben.

ZU DIESER SORGE PASST AUCH, DASS DIE PREPPER-SZENE VOM VERFASSUNGSSCHUTZ ÜBERWACHT WIRD.

Da es so viele verschiedene Motivationen gibt zu preppen, gibt es auch in dieser Szene sicher einige schwarze Schafe. Die nennen wir Doomer oder Möchtegern-Prepper. Die erkennen Sie daran, dass Sie Ihnen als erstes ihren Waffenschrank zeigen. Das ist aus unserer Sicht kein Preppen. Genauso wenig wie bei den Leuten, die der Prepper-Romantik verfallen sind. Die sagen dann: “Wenn was passiert, dann gehe ich in den Wald und ernähre mich von Kaninchen und Beeren.“ Das Problem daran ist nur, dass dann der Wald in der Nähe einer mittelgroßen Stadt im Falle einer Katastrophe ziemlich bald überbevölkert wäre und keine Überlebensgrundlage bieten würde.

Es sind die Nachbarn, die Gemeinschaften, die Krisenzeiten zusammen durchstehen und sich dann gemeinsam an den Wiederaufbau machen.

WAS IST PREPPEN DANN FÜR SIE?

Preppen ist für uns eine passive und rationale Vorsorge, die sich an den tatsächlichen Gefahren für eine bestimmte Region orientiert. Das hat überhaupt keinen aggressiven Charakter. Da geht es dann vor allem darum, sich und seine Familie für einige Stunden, Tage oder Wochen selbst versorgen zu können, bis Hilfe von außen kommt. Ein Walking-Dead-Szenario, das über lange Zeit anhält, ist absoluter Quatsch. Dafür gibt es zu viele nationale, internationale und globale Hilfsketten bis hin zu diversen UN-Organisationen. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass es auf einmal alle gegen alle heißt. Schließlich gelten auch im Katastrophenfall immer noch unsere Gesetze und Regeln. Das sieht man auch immer wieder bei Krisen: Es sind die Nachbarn, die Gemeinschaften, die solche Zeiten zusammen durchstehen und sich dann gemeinsam an den Wiederaufbau machen. Sich da einzuigeln ist der falsche Weg.

WIE MAN PREPPT IST ALSO AUCH EINE FRAGE DES MENSCHENBILDS?

Auf jeden Fall. Das zeigt sich auch gut an den Unterschieden zwischen deutschen und amerikanischen Preppern. In den USA sind Waffen Statussymbole, spielen also auch bei Preppern eine wichtige Rolle. Das ist in Deutschland ganz anders. Wir haben da völlig zu Recht strenge Regeln, die den Einsatz von Waffen klar auf die Notwehr beschränken und auch den Besitz einer Waffe stark reglementieren. 

 

 

Dieser Artikel erschien in der EVAU Nr2.

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